Die Idee

„Zweck unseres Vereins ist die Förderung der freien, nichtkommerziellen Kunst im
öffentlichen Raum. Der Verein will die Interessen der Autoren der urbanen Kunst im
Allgemeinen wahrnehmen, zum besseren Verständnis der Arbeiten beitragen
und sich für ihren Schutz als Kulturgüter einsetzen.
Der Zweck wird verwirklicht durch Kunstaktionen wie Wandgestaltungen, Ausstellungen
oder Graffiti-Jams, hierfür erforderliche Druckerzeugnisse, Vorträge, Filmvorführungen,
Aufklärungsarbeit und Workshops im Bereich Urban-Art, Streetart und Graffiti.“

Diese Zeilen aus unserer Vereinssatzung versuchen die Idee hinter hoch2 in Behördendeutsch zu pressen. Doch wie kam es eigentlich soweit, dass ein paar Freunde ihre Liebe zum Graffiti in Form eines spießbürgerlichen Vereins ausdrücken?

Alles begann an einem Spätsommerabend im Jahr 2013. Besagte Freunde saßen zusammen in einer Kneipe, tranken Bier und wälzten Ideen. Die Überlegung, gemeinsam einen Graffiti-Jam in Bielefeld zu organisieren, gab es schon eine Weile. Einfach einen Haufen Freunde einladen und zwei Tage lang zusammen eine große Fläche bemalen.

Da es aber in Bielefeld leider keinerlei legale Flächen für Graffiti gab (und auch noch immer nicht gibt!), geschweige denn eine Hall of Fame, war das erste Problem schon einen geeigneten Ort zu finden. Klar war auch, zu einem ordentlichen Graffiti-Jam gehört natürlich noch viel mehr, als eine Wand und Sprayer. Im besten Fall gibt es Musik und Breakdance, Essen und Trinken und vielleicht sogar Sprühdosen und Wandfarbe für die Künstler und Künstlerinnen.

Es fehlte also nicht nur der Ort, sondern auch Gelder und Sponsoren für Materialien und das ganze Drumherum. Oft genug hatten wir die Idee dann wieder verworfen, doch an diesem Abend sollte es anders sein. Ein Großereignis warf seine Schatten voraus, das 800. Stadtjubiläum. Ein ganzes Jahr voll mit speziellen Aktionen und Veranstaltungen in Bielefeld. So kam uns die zündende Idee: 800 Jahre Bielefeld – 800qm Kunst. Dies sollte unser Aufhänger werden, um Wandbesitzer anzusprechen, um Gelder und Sponsoren anzuwerben und Fürsprecher zu finden.

Wie ihr sicherlich wisst, hat es geklappt. Es hat sogar so gut geklappt, dass wir schon mitten in der Planung von `800hoch2` merkten, das Ziel 800qm zu bemalen, werden wir wohl um ein Vielfaches überschreiten.

Aus ursprünglich zwei Tagen wurden 17 Tage Festival, das Rahmenprogramm wurde immer größer und reichte schließlich von Vorträgen über verschiedene Workshops, Open-Air-Kinos und Laser-Graffiti bis zu einer Jam, Partys und Stadtführungen. Es kamen nicht bloß Freunde und Bekannte zum Malen, sondern über 50 Künstler und Künstlerinnen und darunter so mancher international bekannter Act. Was wir damals – mit der Unterstützung vieler Ehrenamtlicher Helfer, lokaler Unternehmen und vor allem dem AStA der Uni Bielefeld – auf die Beine gestellt haben, übertraf unsere kühnsten Träume!

Getragen von der Euphorie der ersten Veranstaltung, haben wir dann gleich im nächsten Jahr nachgelegt. Eine riesige Wand im Hauptgebäude der Uni Bielefeld wartete darauf, gestaltet zu werden. Zusätzlich zu der Wand, die von drei bekannten Künstlerduos gestaltet wurde, gab es auch bei `123hoch2` Flächen für lokale Graffitikünstler und natürlich wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm aus Filmen, Vorträgen und Workshops – schließlich wollen wir mit unseren Veranstaltungen ja ein möglichst breites Publikum erreichen.

Eigentlich wollten wir auch 2016 ein hoch2-Festival veranstalten, am liebsten wieder ein großes, doch leider mussten wir uns realistisch eingestehen, dass uns dafür etwas die Puste ausgegangen war und vor allem Zeit und Gelder fehlten.

Wir haben uns also erst mal etwas Zeit gegönnt, dabei aber stetig weiter geplant und Klinken geputzt. Um uns die Arbeit zu vereinfachen und für Geldgeber, Hauseigentümer und sonstige Entscheider greifbarer zu sein als eine Gruppe von Freunden, haben wir uns schließlich dazu entschlossen, einen richtigen Verein zu gründen. Als dieser Schritt Anfang des Jahres 2017 getan war und hoch2 im Vereinsregister eingetragen wurde, konnten wir uns endlich wieder mit voller Kraft unser eigentlichen Passion hingeben: Graffiti für Bielefeld!